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Nord-Zypern - noch vom großen Tourismus verschont


Die von der Türkei besetzte Nordhälfte Zyperns ist eine schlafende Schönheit. Verlassene Klöster und Burgen, bedeutende archäologische Ausgrabungen und endlose Strände warten auf die Entdeckung durch den Pauschaltouristen. Die Erschließung ist in vollem Gange. Was nicht jedem gefällt.

Zypern, so sagt man, ist ein Geschöpf aus Licht – und Nord-Zypern will auch etwas vom Licht des Tourismus. Schon heute verteilen sich Hotels und kleine Häuschen planlos über die Abhänge. Nord-Zypern ist im Baufieber.

 

Engländer, Deutsche und Nord-Zyprioten bauen wie wild, geschmacklos und meistens auch rechtlos. In den Zeitungen werben Bauträger und Immobilienhaie mit Projekten die Namen tragen wie „West Beach Haven“, „Escape Houses“ oder „Dream Villas“. Über dem Nordteil der Insel liegt etwas Gieriges. Überall Spielcasinos, in ihrer Menge mit den Kebab-Buden in Berlin zu vergleichen. Eine komfortable Reisedestination sieht anders aus.

 



Und dennoch: Trotz wilder Bebauung ist Nord-Zypern eine kaum berührte Schönheit, die man mit dem Flugzeug nur über Istanbul erreichen kann. Zypern ist nach wie vor geteilt: in den griechischen Süden und die von niemandem anerkannte türkische Republik Nord-Zypern. Die politischen Verwicklungen verhindern nach wie vor eine leichte Einreise nach Nord-Zypern, um Seltenes zu sehen.

Da ist die alte Kreuzfahrerfestung Hilarion in den kahlen Bergen über der Hafenstadt Kyrenia oder das Antiphonitis-Kloster aus dem 15. Jahrhundert, das seine einzigartigen Fresken in den Bergen über der Stadt Kyrenia versteckt. Oft kommen in einem Monat lediglich um die 20 Besucher, im Winter kommt fast niemand. In Bellapais, dem alten Kloster hoch über dem Meer, flattern Tauben durch die Ruinen, doch kaum gestört durch die wenigen Touristen.

Wer noch weiter nach Norden vordringt, auf kurvenreichen Straßen, kommt zu einem Traum: kilometerlange, feinsandige Strände, auf denen nur einige windzerzauste Sonnenschirme zu sehen sind. Nur eine Hand voll Touristen tummeln sich hier in diesem Traum ohne Infrastruktur. Nur einige Hütten, die bei Rucksacktouristen beliebt sind, aber nicht weit weg die seltenen Karett-Schildkröten, die an diesen Stränden brüten, und vor dem Aussterben bewahrt werden sollen. Lebenskünstler sind allerdings in Nord-Zypern häufiger anzutreffen als Schildkröten.

Während der Süden Zyperns sich im Tourismus sonnt und überragende Wirtschaftsdaten aufweist, verharrt der türkische Teil auf niedrigem Niveau. Der Tourismus soll alles ändern. Fast täglich wird die Zahl der Hotelbetten aufgestockt, denn die Hoffnung liegt doch in der Wiedervereinigung des Landes.

 



Herausragendes Beispiel ist die 6000-Einwohner-Stadt Lapta. Dank großer Wasserreserven protzen Zitrusbäume mit ihren leuchtenden grünen Blättern. Walnüsse, Mandeln, Feigen, Granatäpfel oder Aprikosen, aber auch Baumwolle und Zuckerrohr – ein landwirtschaftliches Schlaraffenland. Laptas reizvolle Dorf- und Gartenlandschaft weicht aber immer mehr dem lukrativeren Tourismus: kleine und große Hotels, Restaurants nebst Strandbetrieb breiten sich flächendeckend aus. Man ist stolz auf etwa 20.000 Touristen jährlich. Über eine solche Zahl lächelt man im Süden.

Die Nekropole von Karmi (ca. 1900 bis 1600 v. Chr.) ist das archäologische Highlight Nord-Zyperns. Ein Friedhof der 1960/61 freigelegt wurde. Ein schachtartiger Grabzugang führt übereinander liegenden Grabkammern. Man sieht unter anderem das Relief einer weiblichen Gestalt, wohl die älteste Grabskulptur Zyperns.

Nord-Zypern, ist noch das Land des eher individuellen Tourismus, will den politischen Realitäten trotzen, aber noch hat man die Chance, ein fast unberührtes, wunderschönes Land bereisen zu können.

 

 



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